Instinkte ruinieren unsere Investitionsentscheidungen
Unsere Grundinstinkte ermöglichten unseren Vorfahren das Überleben in der afrikanischen Savanne, aber eben diese Instinkte sind womöglich unser größter Feind, wenn es darum geht, Geld in Aktien anzulegen.
Gier
Unsere Gier half uns ursprünglich, schnell und reichlich zu essen, wann immer Nahrung zur Verfügung stand – doch am Finanzmarkt ist es alles andere als rational, zu kaufen, wenn jeder kauft, und sich nur wenige verschiedene Aktien ins Depot zu legen. Doch in der Realität ist es genau so. Die Aktienmärkte und die Kurse übertreiben ständig. Wenn der Markt oder auch nur eine einzelne Aktie steigt, möchte sich fast jeder einen Anteil an dem möglichen Gewinn sichern. Die Zahl der Aktiengeschäfte und der gesamte Umsatz erhöhen sich. Steigende Aktien und/oder Indizes werden beliebt – man fühlt sich gut und sicher, wenn man mit der Masse geht. Aber höchstwahrscheinlich kauft man dann zu einem hohen Preis.
Eitelkeit
Man ist begeistert und kommt sich sehr klug vor, wenn das Investment von ges-tern sich heute schon profitabel zeigt, und gleich will man diese wundervollen Aktie weiter zukaufen. Ein positiver Markt gibt einem eine Menge positiver Anreize. Besonders häufig überschätzen sich Anleger männlichen Geschlechts. Und so kommt es, dass ein gutes Geschäft einen jungen Mann zum neuen Tarzan im Finanzdschungel werden lässt. Doch die meisten Investoren haben am Ende nichts als hohe Tradingkosten und ein zu gering diversifiziertes Aktienportfolio.
Faulheit
In der afrikanischen Savanne hatten wir es unseren Instinkten zu verdanken, dass wir mit unseren Ressourcen haushalten konnten. Darauf sollten wir uns mit Bezug zum Finanzmarkt nicht verlassen. Hier ist es äußerst gefährlich, seine Hausaufgaben nicht zu machen. Und dennoch, eine gewaltige Mehrheit der Privatinvestoren fällt ihre Investitionsentscheidung aufgrund der intuitiven Beurteilung einer minimalen Nachrichtenlage, oder sie bewertet nur die kurzfristige Entwicklung eines Aktienkurses.
Angst
Unsere Instinkte signalisieren uns Zurückhaltung und Vorsicht gegenüber allen Dingen, die wir nicht kennen. Gerade breite Bevölkerungsschichten die für ihr Alter vorsorgen und die neu sind auf dem Finanzmarkt, fürchten sich davor, eigene Investitionsentscheidungen zu treffen. Diese Entscheidung wird lieber gegen teures Geld auf Finanzdienstleister ausgelagert. Dabei würde eine finanzielle Grundbildung der Anleger ausreichen, den Wettbewerb in der Branche zu erhöhen und dadurch die Kosten für die Altersvorsorge zu senken.
Die Angstbewältigung der Aktienanleger ist dabei unterschiedlich:
1. Vor dem Kauf sind sich die meisten von uns sicher, dass eine Aktie oder ein Index, die oder der einige Monate, Tage oder sogar nur Stunden im Wert gestiegen ist, das auch weiterhin tun wird. Gleiches kann bei fallenden Kursen beobachtet werden. Wir übertragen die Gegenwart langfristig in die Zukunft.
2. Nach dem Kauf glauben die meisten von uns, genau den richtigen Preis für diese Aktie bezahlt zu haben. Große Schmerzen verursacht es dann, zu einem niedrigeren Preis zu verkaufen und einen Verlust realisieren– und somit einen Fehler zugeben – zu müssen. Wenn der Kurs allerdings steigt, korrigieren wir unsere Preisvorstellung sofort nach oben.
Zu guter Letzt ist es auch interessant zu beobachten, wie private Anleger immer ängstlicher werden, wenn Aktienkurse fallen, bis sie schließlich gerade in dem Moment, wenn der Boden erreicht ist, in Panik verfallen.
Fazit
Wir sehen uns gern als rational handelnde Investoren. Doch um rational zu handeln, braucht man ein langfristiges Anlageziel, eine übergreifende Portfoliostrategie und ein Grundwissen der Aktienanlage. Wie steht es da um Sie?
(Von Claus W. Silfverberg, früherer Geschäftsführer der Dänischen Aktionärsvereinigung und Leiter der World Federation of Investors Corporations.)
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