Seit 1959 im Dienst der Anleger

Von der Zweckgemeinschaft zur Lobbyorganisation

 

10.000 Mitglieder – direkte Mitglieder, Fördermitglieder sowie indirekte über Investmentclubs; aktuell vier Vorstandsmitglieder und 50 ehrenamtliche Sprecherinnen und Sprecher. Die SdK heute ist nicht vergleichbar mit der SdK von 1959, der Gründungszweck dagegen ist weiterhin unverändert.

 

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Gründungsprotokoll der SdK

Die Geschichte der SdK beginnt im beschaulichen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Dort versammelten sich am ersten Dezember 1959 sieben private Aktionäre in der Wohnung des Tierarztes William Prein zur Unterzeichnung des Gründungsprotokolls der Schutzgemein-schaft der Kleinaktionäre e.V. (SdK).

Es war der Beginn einer Zweck-gemeinschaft, die sich zu einer Erfolgs-geschichte entwickeln sollte, die bis heute, über 50 Jahre nach ihrer Gründung, fortgeschrieben wird. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Kleinanleger aufgrund ihres oft geringen Stimmenanteils ihre Interessen nur schwer gegen größere Investoren und Unternehmensver-waltungen durchsetzen können. Um trotzdem zu ihren Rechten zu kommen und die eigenen Interessen durchzusetzen, die häufig nicht im Einklang stehen mit denen der Großanleger , sind die Gründungsväter der SdK zu der Erkenntnis gelangt, dass sie ihre Interessen bündeln müssen, um sich Gehör zu verschaffen. An dem ursprünglichen Vereinszweck einer unabhängigen Vertretung der Rechte von Privatanlegern auf den Hauptversammlungen, nötigenfalls vor Gericht, hat sich in den vergangenen gut 50 Jahren nichts geändert. Hinzu gekommen ist die Interessensvertretung von Anlegern über alle Anlageklassen hinweg, insbesondere durch Aufklärung und Beratung. Auch gegenüber dem Gesetzgeber versucht die SdK durch ihren ständigen und aktiven Einsatz sich für eine Verbesserung der Aktionärsdemokratie und des Anlegerschutzes einzusetzen.

 

Die Gründungsphase

 

Die Anfänge waren freilich bescheiden. In den ersten fünf Jahren nach ihrer Gründung wurde die SdK von Dr. William Prein geleitet und hatte ihren Sitz in Frankfurt am Main, das sich nach dem Krieg zum wichtigsten Börsen- und Bankenstandort Deutschlands entwickelt hatte. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben Dr. Prein auch Johann Josef Peter, Walter Lehmann, Karl Borst, August Frankenpohl, Hermann Lang und Erich Kunsch. „Die SdK war damals ein kleiner Haufen von ehrenamtlichen Mitgliedern, die sich aber tapfer auf den Hauptversammlungen schlug“ erinnert sich Walter Martius, der in den 60er Jahren zur SdK stieß und heute eines ihrer ältesten Mitglieder ist. Die Truppe hielt ihre Jahresversammlungen in der bescheidenen Gaststätte des Frankfurter Südbahnhofs ab, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, denn der Verein verfügte in seiner Anfangszeit nur über geringe finanzielle Mittel. Auch musste sich die SdK in den ersten Jahren ihr Renommee erst erkämpfen. An Unterstützung durch die damals noch sehr schwach entwickelten Medien war nicht zu denken. Und für eine Werbekampagne fehlte das Geld.

 

Schneller Ansehensgewinn in den 60er Jahren

 

Dennoch schaffte es die SdK durch ihre immer zahlreicher werdenden Auftritte auf den Hauptversammlungen börsennotierter deutscher Aktiengesellschaften an Ansehen zu gewinnen. Bereits in einem frühen Stadium ihres Bestehens wirkt die Schutzgemeinschaft an den Novellierungen des Aktienrechts mit, etwa an der Aktienrechtsreform des Jahres 1965 und an der Neuordnung des Konzernrechts. Maßgeblich zur Anhörung der SdK in rechtlichen Fragen beigetragen hat Dr. Erich Koch, der Ende 1964 den Vorsitz der SdK übernahm und den Verein fast 20 Jahre lang bis 1983 leitete.

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Depotauszug der SdK von 1965

Die Anerkennung der SdK als unabhängige und ernst zu nehmende Aktionärsvereinigung drückte sich auch darin aus, dass Dr. Koch als erster Vertreter einer Aktionärsvereinigung zum Mitglied der 1968 gegründeten Börsensachverständigenkommission berufen wurde. Die Kommission berät das Bundesministerium für Finanzen. Zu ihren Mitgliedern zählen neben Aktionärsvertretern auch Repräsentanten der Kreditinstitute, der Versicherungen, der Bundesbank, der Börsen und der Industrie. Auch gelang es Dr. Koch als erstem Vertreter einer Aktionärsvereinigung in den Aufsichtsrat der mächtigen Veba AG gewählt zu werden, ein „Ritterschlag“, der dem Ansehen der SdK einen weiteren Schub verlieh. Die finanzielle Basis der Schutzgemeinschaft blieb aber fragil. Auch vermochte es die SdK nicht mit ihrem damaligen Publikationsorgan, dem Wirtschaftskurier, eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen und auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Dies sollte sich jedoch bald ändern.

 

Die goldenen 70er

 

Anfang der 70er Jahre entschied sich der inzwischen zum stellvertretenden SdK-Vorsitzenden gewählte Wirtschaftsberater Walter Martius zu einem radikalen Schnitt. Statt weiter erfolglos mit dem Wirtschaftskurier zu kooperieren schlug Walter Martius eine Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift „Die Aktiengesellschaft“ vor, die vom Verlag Dr. Otto Schmidt KG in Köln herausgegeben wurde. „Der Aktiengesellschaft fehlte der Türöffner für die Finanzanzeigen und uns fehlte das Fachblatt“ resümiert Martius die Situation. Die Zusammenarbeit mit der in ihrem Bereich führenden Fachzeitschrift entwickelte sich sehr gut und 1976 wurde „Die Aktiengesellschaft“ mit dem Sonderteil „AG-Report“ Publikationsorgan der SdK.  Die Zusammenarbeit sorgte dafür, den Bekanntheitsgrad der SdK deutlich zu steigern und auch die Finanzierung der SdK konnte auf eine breitere Basis gestellt werden, was ihrer Arbeit einen gewaltigen Auftrieb verschaffte. So konnten von nun an den SdK-Sprecherinnen und Sprechern auf den Hauptversammlungen zumindest die Reisekosten erstattet werden. Gleichzeitig ermöglichte es die bessere finanzielle Ausstattung auch, die Zahl der Hauptversammlungsauftritte in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen, denn nun besaß der Verein die erforderlichen Mittel, um so genannte „Kontrollaktien“ für das eigene Aktiendepot zu erwerben, die es ihm ermöglichten alle für wichtig erachtete Hauptversammlungen eines Jahres zu besuchen. Wurden in den 60er und 70er Jahren ca. 200 – 300 Hauptversammlungen von wenigen Sprechern besucht, so konnte die Zahl der Sprecher bis Mitte der 90er Jahre auf 20 und die Zahl der jährlich besuchten Hauptversammlungen auf über 600 erhöht werden.

Heute umfasst das Wertpapierdepot der SdK sowohl „Kontrollaktien“ von allen börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften als auch alle börsennotierten Anleihen deutscher Emittenten. Dies ermöglicht es uns, bei Bedarf auf jeder Hauptversammlung und Gläubigerversammlung mit eigner Stimme aufzutreten und die Mitgliederinteressen in eventuell nachgelagerten Rechtsverfahren im eigenen Namen unabhängig zu vertreten.

 

Öffentliche Wahrnehmung steigt

 

Besonders stolz war die Schutzgemeinschaft darauf, dass Vorstandsmitglied Walter Martius in der zweiten Hälfte der 70er Jahren in den Aufsichtsrat von Volkswagen gewählt wurde. Damit verfügte die SdK nun im Aufsichtsrat von zwei namhaften deutschen Unternehmen über Sitz und Stimme. Auch wurde die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. 1976 erschien, wie bereits oben erwähnt, erstmals das neue Publikationsorgan der SdK, der „AG-Report“. Er enthielt Informationen über die Unternehmen sowie kurze Bilanzanalysen der großen Aktiengesellschaften. Nach dem Rückzug von Dr. Koch aus Alters- und Gesundheitsgründen aus dem SdK-Vorstand, übernahm 1983 schließlich sein langjähriger Stellvertreter Walter Martius den Vereinsvorsitz. Der Wirtschaftsberater legte den Grundstein für die solide Finanzbasis, auf der die SdK noch heute steht. Zudem begann die SdK ab 1987mit einer Intensivierung der Pressearbeit um damit die Öffentlichkeit umfangreich über ihre Arbeit zu informieren.

 

Privatisierungswelle der 90er Jahre sorgt für regen Mitgliederzulauf

 

Ab 1994 wird die SdK dann von Dieter Kauffmann geleitet. Zu dieser Zeit beginnt die Bundesregierung, dem Beispiel angelsächsischer Länder folgend, die Privatisierung großer staatlicher Betriebe vorzubereiten. Besonders der Börsengang der Deutschen Telekom im November 1996 löst in Deutschland einen bis dahin kaum bekannten Run auf Aktien aus. Davon profitiert auch die Schutzgemeinschaft. Die Zahl der Mitglieder steigt an, ebenso vervielfacht sich die Zahl der Anleger, die der SdK ihr Stimmrecht übertragen. Die SdK wächst in jenen Jahren zu einem Lobbyverband heran, der sich unermüdlich dafür einsetzt, die Interessen der Minderheitsaktionäre zu artikulieren bzw. zu schützen. Dabei warnt die SdK, deren Öffentlichkeitsarbeit inzwischen von Reinhild Keitel gesteuert wurde, auch vor den sich abzeichnenden Übertreibungen am Aktienmarkt. So kritisiert sie von Anfang an den Ausgabekurs der Telekom-Aktie als zu hoch – was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Wie es sich für einen Lobbyverband gehört, nutzt die SdK auch ihre immer zahlreicher werdenden Auftritte in den Medien, um ihre Forderungen an die Politik deutlich zu machen. Der Gesetzgeber müsse die privaten Anleger besser schützen, lautet eines der Hauptanliegen. Im Mittelpunkt der Kritik stehen immer wieder die einzelnen Finanzmarktförderungsgesetze, weil sie der Schutzgemeinschaft nicht weit genug gehen. Dabei nutzt die Schutzgemeinschaft auch ihre Mitgliedschaft in der Börsensachverständigenkommission, um die Rechte der Kleinanleger zu stärken. So wirkte die SdK etwa an der KWG-Novelle mit, die im Oktober 1997 verabschiedet wurde und die Vorschriften für Anlageberater und Vermögensverwalter neu definierte.

 

Als Anfang des neuen Jahrtausends dann die Internetblase platzt und die gesamte Börse mit in die Tiefe reißt, wird die SdK von der Öffentlichkeit schließlich als eine Art Verbraucherzentrale für Anleger angesehen. Tatsächlich ließen die drastischen Kursverluste und leider auch die Blauäugigkeit mit der sich viele Anleger an der Börse engagiert haben, nicht wenige Menschen verzweifeln. Ins Visier der SdK geraten auch immer mehr die Banken mit ihrer mitunter zweifelhaften Beratungspraxis, die den meist wenig aufgeklärten privaten Anlegern oft hochriskante Wertpapiere verkauften. Der Run auf die Aktien und der anschließende Niedergang der Märkte in den Jahren 2000 bis 2003 verhilft der SdK zu einer gewaltigen Steigerung ihres Ansehens und lässt die Zahl ihrer Mitglieder auf über 12.000 ansteigen. In diese Zeit fällt auch die Öffnung der SdK für die neuen Medien. In Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner und Verlag WAI Wirtschaftsanalysen und -Informations GmbH entsteht ein umfangreiches Internetangebot und wird ein weiteres Publikationsorgan der SdK aufgelegt, die „SdK-AktionärsNews“. Die erste Ausgabe des Online-Newsletters, der über die Themen Geldanlage, Aktien und Anlegerschutz informiert, erscheint am 22.05.2001 und danach inkl. des Nachfolgers „AnlegerPlus News“ bis heute über weitere 300 mal.

 

Die 2000er: Von den Kleinaktionären zu den Kapitalanlegern

 

Ab dem Jahr 2000 wird die SdK vom Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Klaus Schneider geführt. Unter seinem Vorsitz ist das Tätigkeitsspektrum der SdK stark ausgeweitet worden. Da sich das Angebot an Kapitalmarktprodukten für Privatanleger ab Ende der 90er Jahre stark ausgeweitet hat, beschloss der SdK Vorstand, sich nicht mehr nur ausschließlich mit der Anlageform „Aktie“ sondern auch mit alternativen Anlageformen wie Zertifikate und Anleihen zu beschäftigen. 2004 erfolgte konsequenterweise auch die Umbenennung von Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre e.V. in SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Der Name soll Programm werden und findet seine Berechtigung im Angebot von Anlegerschulung und –beratung, was damals vor allem in der Mitgliederzeitschrift „AktionärsReport“  umgesetzt wurde. Zum Schulungs- und Beratungsprogramm gehört auch das seit 2003  veröffentlichte „Schwarzbuch Börse“, das den Bekanntheitsgrad und das Ansehen der SdK deutlich gesteigert hat. Im Schwarzbuch Börse berichtet die Schutzgemeinschaft bis heute nicht nur über Skandale, Pleiten und Problemfälle des vergangenen Börsenjahres sondern sie leistet auch Aufklärungsarbeit, vor allem über die Themen Zertifikate und Fonds. Diese Themen werden auch heute noch in der monatlichen Mitgliederzeitschrift immer wieder behandelt. Der Beratungsservice für SdK-Mitglieder beinhaltet zudem auch eine eigene Rechtshotline, an die sich die Mitglieder mit ihren Fragen rund um Themen zum Aktien- und Kapitalmarktrecht zu Problemen mit ihrer Bank oder steuerlichen Fragen im Zusammenhang mit ihrer Kapitalanlage wenden können.

 

Insolvenzwelle steigert  Nachfrage nach Diensten der SdK

 

Ab 2011 setzt der bisher stärkste Mitgliederzuwachs der SdK ein. Da immer mehr der in den vorangegangenen Jahren platzierten so genannten Mittelstandsanleihen, vor allem aus der Branche der erneuerbaren Energien, sich als Rohrkrepierer herausstellten, und deren Emittenten von einer bisher nicht gekannten Insolvenzwelle überrollt wurden, fragten immer mehr Anleger die Dienstleistungen der SdK wie die Stimmrechtsvertretung auf Gläubigerversammlung und die Berichterstattung über den Verlauf von insolvenzverfahren, nach. Damit konnte der Mitgliederrückgang, welcher im Jahr 2009 vor allem durch die Einführung der Abgeltungssteuer und das dadurch verbundene Aussterben kleinerer Investmentclubs, eintrat, mehr als ausgeglichen werden. Im Jahr 2011 folgte auch ein Wechsel an der Spitze der SdK. Nach dem Ausscheiden von Herrn Schneider wurde der Steuerberater Herr Hansgeorg Martius, Sohn von Walter Martius, neuer Vorsitzender. Unter dessen Regie wurde die SdK nach außen hin erneuert und vor allem das seit 2011 über die 100%ige-Tochteregsellschaft Kapital Medien GmbH in Eigenregie erstellte Anlegermagazin „AnlegerPlus“ nach außen hin positioniert.    

 

Der Verein heute

 

Bis zum heutigen Tag hat sich die SdK zu einer der bedeutendsten Interessenvertretungen deutscher Privatanleger entwickelt. Auf über 500 Hauptversammlungen und ca. 20 Gläubigerversammlungen im Jahr nimmt die SdK die Stimmrechte ihrer Mitglieder und Stimmgeber wahr - unabhängig, kompetent und ehrenamtlich.

Wie in der Vergangenheit auch, zeigt die SdK aber auch in Gesetzgebungsverfahren zum Aktien- und Kapitalmarktrecht Flagge. Über Infoveranstaltungen für Anleger versucht die SdK derweil Ihre Mitglieder über die Chancen aber vor allem auch über die Risiken am Kapitalmarkt aufzuklären. Im Mittelpunkt steht dabei das Interesse an der Anlageform Aktie wieder zu steigern. Hierfür veranstaltet die SdK zusammen mit Banken und Sparkassen und börsennotierten Gesellschaften jährlich mehrere Aktienforen und Infoabende für Privatanleger.